Verdrängung, Seitenhiebe und frohe Weihnachten

Was könnte das Leben doch schön und einfach sein. Den Ignoranz-Schild ausgepackt, und alles, was man nicht sehen, hören oder anderweitig wahrnehmen möchte, blendet man einfach aus. Wo das nicht geht, hilft einem eventuell die Technik ein bisschen weiter, und die eigene Block-Liste wächst und wächst, alles ist toll.
Bis einem auffällt, dass die Technik eben nicht alles filtern kann, insbesondere wenn es die Bereiche „persönliche Beziehungen“ oder „gemeinsame Hobbies“ bzw. „gemeinsame Subkultur/Community“ betrifft. Natürlich kann man sich in verschiedenenen, einem selbst genehmen Gruppen oder Vereinen organisieren bzw. sich aus den anderen entsprechend fernhalten. Dennoch kann es einem hier recht schnell wieder passieren, dass man, manchmal ohne es zu wollen, wieder mit „ungeliebten“ Menschen konfrontiert wird, bei Aktionstagen, Messen, über andere Schnittpunke wie  Experten etc., und dann werden – menschlich völlig nachvollziehbar – Vorgänge und Aussagen fehlgedeutet, und auf sich bezogen.
Häufig kommt dann eine Abwehrreaktion, meist basierend auf einem Gefühl, verfolgt zu werden (manchmal ists auch das eigene schlechte Gewissen 😉 ), und daraus folgt nun entweder, dass man sich selber von diesen Orten/Gruppen/Vereinen/Veranstaltungen/Experten fernhält (was ich falsch finde, man geht ja nun schliesslich dahin, um für sich selbst Hilfe und/oder Informationen zu bekommen), oder versucht halt, die „Ungeliebten“ davon fernzuhalten (was ich genauso falsch finde, weil auch die ja nun ein Recht auf Informationen/Hilfe haben).
Letztlich wird also versucht, auf dem Rücken der anderen Community-Teilnehmer (die mit dem ganzen Scheiss ja eigentlich gar nix zu tun haben) die eigene Komfort-Zone, den eigenen „Safe Space“ zu erweitern. Klassischer Satz, den wir von Familienfeiern, Silvester-Parties oder Kindergeburtstagen kennen: „Wenn XY kommt, bleib ich zuhause…“

Dieser Satz ist selten so neutral gemeint, wie er sich anhört. Zumeist steckt dahinter die Absicht, den/die „Ungeliebte/n“ auszuschliessen, den Veranstalter unter Druck zu setzen, sie oder ihn emotional zu erpressen, eine Entscheidung darüber herbeizuführen, wer dem Veranstalter nun lieber ist – und er/sie kann das gar nicht, geschweige denn, dass das überhaupt gewollt wäre.
(Die wenigen, die es so neutral meinen: Spart euch diesen Satz trotzdem. Er kommt nie wirklich neutral an)
Selbst wenn ihr erreicht, was ihr wollt, dass ihr langsam aber sicher den/die Ungeliebten aus „eurer“ Community rausdrängt: Ihr seid nie wirklich sicher davor, dass nicht eine ähnliche Reaktion von anderen euch ein ähnliches Gefühl gibt. Ihr könnt also auch nicht sicher sein,dass also sowohl die psychische, alsd auch die physische Verdrängung dauerhaft Erfolg haben wird.

Die meisten Menschen leben ihr Leben rund um die Uhr, und wenn ihr davon für 15 Minuten am Tag ein Teil seid, dann ist das vermutlich schon viel. Drumherum um diese – meist hypothetischen – 15 Minuten findet ein volles Leben statt, genau wie bei jedem anderen auch, in dem es von doofen Autofahrern über blöde Kunden bis zu nervigen Nachbarn alles Mögliche gibt, dass einen zu einem Post, oder witzigen Bild oder sonstwas treiben könnte, und ja, vielleicht seid ihr „mitgemeint“ – vielleicht aber auch nicht.

Ihr habt also jetzt die Wahl, darauf zu reagieren (und das vermutlich falsch), oder ihr könnt tief durchatmen, euch kurz ins Gedächtnis rufen, dass eben auf der anderen Seite ebenso ein Mensch mit eigenem Leben, eigenen Gefühlen und eigenen Problemen sitzt.
Wenn ihr genug Empathie habt, versucht die Perspektive zu wechseln. Versucht zu sehen, was die anderen bewogen haben könnte, sich so zu äussern, wie sie es getan haben.
Wenn euch das nicht möglich ist, bleibt euch nur übrig, mit der- oder demjenigen Kontakt aufzunehmen, und zu fragen – oder es zu ignorieren. Letzteres wird hart. Wie oben schon mal erwähnt, nicht immer hilft die Technik, meist werdet ihr euch tatsächlich selber bemühen müssen, und ja, das kann schwer werden – aber das sorgt meist für mehr Ruhe, als die Reaktion(en) und Re-Reaktion(en).

Vielleicht solltet/n Ihr/Wir aber auch mal kurz innehalten, und drüber nachdenken, was passiert ist, und uns überlegen, ob es den ganzen Stress wirklich wert ist, egal ob in der Familie, in der Subkultur, in welcher Community auch immer. Mal kurz raus aus der eigenen Filterblase und mal abklären, wo das Problem eigentlich besteht. Natürlich setzt das voraus, dass da Gesprächsbereitschaft besteht, dass eben das Denken ausserhalb der eigenen Echokammer auch beim Gegenüber klappt.
Wenn als einzige Reaktion nur eine Abwertung des Fragenden erfolgt, dann sollte das wiederrum Antwort genug sein.

Nichtsdestotrotz, wir bewegen uns gerade mit riesigen Schritten auf den Geburtstag des Typen zu, der laut offizieller Story an ein Kreuz genagelt wurde, weil er meinte, die Leute sollten ein bisschen netter zueinander sein (Danke Mr. Adams)
Vielleicht sollten wir uns alle ein bisschen besinnen, auf das, was uns als Menschen ausmacht, und der/die/das Gegenüber auch als das wahrnehmen, nicht als schlechter oder besser, sondern eben als Mensch, mit eigenen Zielen, eigenen Wünschen und Interessen, und kurz drüber nachdenken, ob es diesen ganzen Stress wert ist.
Vielleicht solltet/n ihr/wir uns alle einfach mal hinstellen, und verzeihen. Uns selbst. Den Anderen. Dem Nachbarshund, der in Vorgarten kackt.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten
Machts euch schön.

lipödem blog – Google-Suche

Da will man selbst aktiver bloggen, und kommt da nie zu, und weiss nicht, ob man noch aktuell genug ist (und was weiss ich, was mir da noch für Gründe einfallen, warum ich hier sowenig mache 😉 )
Dann schaut man durch eine Eingebung auf Google, und gibt einfach nur „lipödem blog“ als Suchbegriff ein, und darf dann feststellen, dass die Ehefrau es mit ihrem Blog auf Seite 1 der Ergebnisse geschafft hat, und das tatsächlich in die Top 3.

Herzlichen Glückwunsch, Schatzi

Quelle: lipödem blog – Google-Suche

Trolle und Löschpolitik

Ein perfektes Beispiel, warum ich dann einen eigenen Blog wollte:

Der Eine oder die Andere wird mitbekommen haben, dass gerade für meine Frau bei FB eine Spendenaktion läuft. Nun verteilt sich sowas recht schnell, Leute bieten sich an, das Ganze noch weiter zu verteilen, um so für mehr Reichweite zu sorgen, und die Spendensumme zu erhöhen. So weit so toll.

Wie nicht anders erwartbar fühlt sich dann auch der ein oder andere bemüssigt, ungefragt sein „Wissen“ in Form eines guten Ratschlags zu verteilen, in diesem Fall „Ein wirklich gutgemeinter Rat vom Physio-, Lymph- und Ödemtherapeuten.“ – nämlich die Finger von entsprechenden Operationen zu lassen, weil sie ja nix bringen, das Lipödem sowieso wiederkommt, und die einzige dauerhafte Therapie Kompression, Lymphdrainage und Sport sei. Letzteres möge er mir bitte mit den vorhandenen gesundheitlichen Problemen meiner Frau vormachen. Jedenfalls finde ich, dass eine solche Aussage unter einem Spendenaufruf für die Zusatzkosten einer OP dort nicht hingehört, weil sie das konterkariert.

Ich wäre ja drauf und dran, dem guten Mann finanzielle Interessen vorzuwerfen, und dass er Angst hat, dass ihm Patienten abhanden kommen, wenn die OP’s sich als dauerhaft wirksam erweisen, und sich die Liposuktion im Leistungskatalog der Krankenkassen wiederfindet – nur arbeitet diese Koryphäe nicht mal in dem Bereich – der „Experte“ kellnert inner Disse.

Entsprechend fiel meine Antwort unter seinem Beitrag aus: Ich empfahl ihm eine Weiterbildung, wenn wir schon dabei wären, „gute“ Ratschläge auszutauschen.

Was der Teilenden – von der ich nach wie vor behaupte, sie ist eine meiner besten Freundinnen – nicht wirklich gefiel, und um Löschung bat – und das mal fix denn auch selber erledigte, derweil ich noch auf ihre private Nachricht antwortete. In der folgenden Diskussion bat ich darum, dann wenigstens auch den Trollpost zu löschen – und bekam zur Antwort, dass das Löschen des Trollbeitrags eine ähnlich schädliche Wirkung auf diese und zukünftige Spendenaktionen habe, wie meine Antwort stehen zu lassen. What???

Wofür das Ganze hier? Weil ich es kann, und weil ich finde, dass diese Sache nicht sang- und klanglos unter den Teppich gekehrt werden sollte. Aus Respekt meiner Freundin gegenüber werde ich jedoch ihr FB-Profil nicht verlinken. Aber vielleicht findet der Experte ja irgendwie hierher – das könnte in den Kommentaren lustig werden.

so, sorry, musste raus

Frohes Neues

Ich hoffe ja, dass Ihr alle gut reingekommen seid, mit viel Spass, Freunden und/oder Familie, oder sonstigen lieben Menschen. Wir hatten jedenfalls das Haus voll mit lieben Freunden (die sich teilweise extra von der Ostsee auf den Weg gemacht haben)

Und wie zu jedem Jahreswechsel ist auch dieser mit guten Vorsätzen versehen – auch wenn keiner sie als solche bezeichnet. Mein Vorsatz? Hier mehr Leben reinbringen, den Blog besser pflegen. Ausserdem hab ich wohl jemanden inspiriert: Meine Frau.
Auch wenn man seine Beziehungen ja nicht als Wettbewerb führen soll, es kann ja nicht sein, dass sie auf Ihrem aktiver ist als ich. Wenn sie also Zeit und Musse hat, ihre Seiten mit Beiträgen zu füllen, und was zu sagen hat, dann sollte mir das doch wohl auch gelingen, oder?

In diesem Sinne hoffe ich für euch und alle auf ein gesundes, friedliches Jahr 2017.

Ich wollte doch …

Ich wollte bloggen. Regelmäßig. Interessant. Witzig. Von Zuhaus, oder unterwegs. Mit Bildern, von Orten, von Spielen, von persönlichen Gegebenheiten, von Events, von großen und kleinen Ereignissen. Verlinken auf andere Blogs, andere Seiten. Witziges mit meinen Lesern teilen. Stattdessen weht der Wind hier seit über zwei Jahren die Tumberweeds durch ein leeres Blog. Ich würde ja sagen, ich war zu faul, zu desinteressiert, aber nein, das Alles war es irgendwie nicht.

Es war oder ist eine Mischung aus „Shit, schon wieder nicht dazu gekommen“ und „Driss, das Ding ist zwei Tage her, wen interessiert denn das noch?“, verbunden mit „Och nöö, heute nicht mehr“. Kennt ihr vermutlich.

Egal, Neustart, wieder mal loslegen, wieder mal planen, wieder mal kontrollieren wollen, was man so ins Netz bläst, wieder mal für Gegenwind und Kommentarspam und Ähnliches wappnen – und sich irgendwie auch drauf freuen.

Also dann, legen wir los… und hoffen, dass irgendwann mal mehr als nur der Googlebot mitliest 😉

Ich will auch!

Lässig sein. Ironisch rüberkommen. Spass beim Lesen, viel mehr aber beim Schreiben haben.
Und plötzlich muss darf wollte ich dann einen Artikel im Feuilleton der FAZ lesen, welcher vom Titel, als auch in den ersten Sätzen doch interessant zu werden versprach.
Und zunächst verschaffte es mir Einblicke in ein Magazin, an dem ich vermutlich viel zu lang sträflich vorbeigelaufen bin: Vice
Man kann sicherlich darüber streiten, ob die Info, dass das Bundesland in dem man wohnt, bei einer Zombie-Apokalypse als erstes überrant wird, einen gleichberechtigten Platz neben aktuellen Meldungen aus der Ukraine hat. Man kann sich auch fragen, ob das nicht irgendwie den Ernst der Meldung schmälert, direkt neben einem – höchstwahrscheinlich – fiktionalem Katastrophen-Ereignis veröffentlicht zu werden.

Man kann das aber auch einem etwas anderen Blickwinkel betrachten: Wenn jede Meldung „gleichberechtigt“ veröffentlicht wird, ohne die oftmals gerade in der etablierten Presse allzusehr überstrapazierten Betroffenheitsfloskeln, oder ohne zusätzlichen Hinweis auf den fiktionalen Charakter, ohne zusätzliche Ironie, ohne wirklich zusätzlich noch eine Schippe einer Emotion draufzupacken, dann sind das Nachrichten. Nicht mehr – aber eben auch nicht weniger. Und zumindest für mich glaube ich, ich mag diese Aufbereitung sehr, für mich schafft das eine Form von Objektivität – und wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin, liebe Kollegen in den Redaktionen von Burda, Springer, DuMont, Aschendorff, liebe Herausgeber von Bild, Welt, Spiegel, Stern, Süddeutsche, dann ist genau das, was ich in den letzten Jahren bei euch zu vermissen gelernt habe.
Besonders toll finde ich übrigens dann das Blog-Bashing, das direkt im Anschluss folgt, nachdem Vice als Vertreter des „Krawall-Journalismus“ bezeichnet wurde. Frau Lühmann scheint ein wenig neidisch auf die Kollegen zu sein, die „werbefinanziert“ dann auch „allenfalls Mini-Redaktionen beschäftigen“. Was vermutlich der Grund für den gerade erwähnten Neid ist: Da steckt eben kein Chefred hinter, dessen Gusto befriedigt werden muss (falls es nur das ist), und der Schreiber läuft nicht Gefahr einen Nasenbeinbruch davon zu tragen, falls mal jemand besagten Chefred in den Hintern tritt. Schnoddrig und cool seien sie wohl nicht, so lese ich heraus, und „alle gleich“ – und macht das denn auch daran fest, dass sich bestimmte Meldungen wiederholen. Vielleicht mal als Tip an Ihren Chef Frau Lühmann: Vieles, was in der FAZ steht, findet sich bereits in anderen Blättern – warum sollte also die FAZ oder die Welt nochmal über Sanktionen gegen Russland berichten, wenn doch die Bild oder die Rheinische Post schon einen Artikel dazu gebracht hat. Lösen wir das Ressort doch einfach auf, und stampfen das Feuilleton gleich mit ein, gibts woanders bestimmt auch schon.

Verschiedene Menschen oder Sichtweisen? Geschenkt, da ja auch die Blog-Leser alle im Altersbereich zwischen 13 und 30 sind (Ich hab ja auch pünktlich zu meinem 31. aufgehört, Blogs zu lesen, ich gestehe) – und zumindest die Leser ebenjener „Gleichen“ wahrscheinlich auch alle die gleichen Blogs lesen. Wenn wir jetzt reinrechnen, dass wir die Meldung eh dann 3-30 mal lesen, wird auch klar, warum alle das Netz für so gefährlich halten. Was das allein an Zeit kostet – die dann natürlich Zeitungen zur Meinungsmache fehlt. (Gibt es eigentlich FAZ-Leser, die erst 13 sind?). Nun, Hauptsache, man hat mal wieder auf (evtl. auch nur vermeintlich) erfolgreiche Konkurrenz eingedroschen.

Ronny vom Kraftfuttermischwerk hat sich als direkt Betroffener auch zu Wort gemeldet – ist aber zu anderen Themen immer einen Besuch wert. Was denn auch mein eigentlicher Grund war, mich dazu zu äussern.

So gesehen also vielen Dank, liebste Kollegin bei der FAZ, immerhin hat Ihr Artikel mir einen kleinen Schubs zum Start gegeben