Ich will auch!

Lässig sein. Ironisch rüberkommen. Spass beim Lesen, viel mehr aber beim Schreiben haben.
Und plötzlich muss darf wollte ich dann einen Artikel im Feuilleton der FAZ lesen, welcher vom Titel, als auch in den ersten Sätzen doch interessant zu werden versprach.
Und zunächst verschaffte es mir Einblicke in ein Magazin, an dem ich vermutlich viel zu lang sträflich vorbeigelaufen bin: Vice
Man kann sicherlich darüber streiten, ob die Info, dass das Bundesland in dem man wohnt, bei einer Zombie-Apokalypse als erstes überrant wird, einen gleichberechtigten Platz neben aktuellen Meldungen aus der Ukraine hat. Man kann sich auch fragen, ob das nicht irgendwie den Ernst der Meldung schmälert, direkt neben einem – höchstwahrscheinlich – fiktionalem Katastrophen-Ereignis veröffentlicht zu werden.

Man kann das aber auch einem etwas anderen Blickwinkel betrachten: Wenn jede Meldung “gleichberechtigt” veröffentlicht wird, ohne die oftmals gerade in der etablierten Presse allzusehr überstrapazierten Betroffenheitsfloskeln, oder ohne zusätzlichen Hinweis auf den fiktionalen Charakter, ohne zusätzliche Ironie, ohne wirklich zusätzlich noch eine Schippe einer Emotion draufzupacken, dann sind das Nachrichten. Nicht mehr – aber eben auch nicht weniger. Und zumindest für mich glaube ich, ich mag diese Aufbereitung sehr, für mich schafft das eine Form von Objektivität – und wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin, liebe Kollegen in den Redaktionen von Burda, Springer, DuMont, Aschendorff, liebe Herausgeber von Bild, Welt, Spiegel, Stern, Süddeutsche, dann ist genau das, was ich in den letzten Jahren bei euch zu vermissen gelernt habe.
Besonders toll finde ich übrigens dann das Blog-Bashing, das direkt im Anschluss folgt, nachdem Vice als Vertreter des “Krawall-Journalismus” bezeichnet wurde. Frau Lühmann scheint ein wenig neidisch auf die Kollegen zu sein, die “werbefinanziert” dann auch “allenfalls Mini-Redaktionen beschäftigen”. Was vermutlich der Grund für den gerade erwähnten Neid ist: Da steckt eben kein Chefred hinter, dessen Gusto befriedigt werden muss (falls es nur das ist), und der Schreiber läuft nicht Gefahr einen Nasenbeinbruch davon zu tragen, falls mal jemand besagten Chefred in den Hintern tritt. Schnoddrig und cool seien sie wohl nicht, so lese ich heraus, und “alle gleich” – und macht das denn auch daran fest, dass sich bestimmte Meldungen wiederholen. Vielleicht mal als Tip an Ihren Chef Frau Lühmann: Vieles, was in der FAZ steht, findet sich bereits in anderen Blättern – warum sollte also die FAZ oder die Welt nochmal über Sanktionen gegen Russland berichten, wenn doch die Bild oder die Rheinische Post schon einen Artikel dazu gebracht hat. Lösen wir das Ressort doch einfach auf, und stampfen das Feuilleton gleich mit ein, gibts woanders bestimmt auch schon.

Verschiedene Menschen oder Sichtweisen? Geschenkt, da ja auch die Blog-Leser alle im Altersbereich zwischen 13 und 30 sind (Ich hab ja auch pünktlich zu meinem 31. aufgehört, Blogs zu lesen, ich gestehe) – und zumindest die Leser ebenjener “Gleichen” wahrscheinlich auch alle die gleichen Blogs lesen. Wenn wir jetzt reinrechnen, dass wir die Meldung eh dann 3-30 mal lesen, wird auch klar, warum alle das Netz für so gefährlich halten. Was das allein an Zeit kostet – die dann natürlich Zeitungen zur Meinungsmache fehlt. (Gibt es eigentlich FAZ-Leser, die erst 13 sind?). Nun, Hauptsache, man hat mal wieder auf (evtl. auch nur vermeintlich) erfolgreiche Konkurrenz eingedroschen.

Ronny vom Kraftfuttermischwerk hat sich als direkt Betroffener auch zu Wort gemeldet – ist aber zu anderen Themen immer einen Besuch wert. Was denn auch mein eigentlicher Grund war, mich dazu zu äussern.

So gesehen also vielen Dank, liebste Kollegin bei der FAZ, immerhin hat Ihr Artikel mir einen kleinen Schubs zum Start gegeben

Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung